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Die Idee von Sound und der Relevanz von Effekten

Intervalle

von Massoud Godemann

Sound                                                                                                                                                                                                                                                                                 In der sicheren Handhabung der Intervalle offenbart sich uns das Geheimnis von Sound. Musik mal sanft, verträumt, romantisch anmutend oder aber auch mal brachial, verstörend und das Gewohnte vermeidend - der bewusste „hörende“ Umgang mit Intervallen ist eigentlich das „Effektgerät“ schlechthin. Vom Clash enger Stimmenführungen bis zur Offenheit weiter Lagen, mit Intervallen lässt es sich in den unterschiedlichsten Klangfarben vortrefflich malen. Riskieren wir mal diesbezüglich einen Blick in den „Linienalltag“ und betrachten die folgenden C7 - Bebop Linien hinsichtlich ihres Aufbaus: 

 

Eine bunte Intervallmixtur aus Septimen, Quinten, Quarten, Terzen, Sekunden und skalenfremden Tönen, zeigt sich uns auf. Die Klänge einzeln zu Erfahren, so ihre Kraft zu spüren um sie nach einiger Zeit umgänglich zu machen. Hier etwas „Bluesfusionbebopcountry - Colour“, Intervalle machen es möglich:

 

 

Die Reise in die Welt der Intervalle könnte lohnend sein. Im folgenden Beispiel sind die „Sounds“ etwas moderner gehalten. Um dies zu fassen, es für sich zu begründen und auch kommunizieren zu können, braucht es eines Verständnisses der Töne in Bezug zu den Akkorden und das Wissen um deren „Herkunft“ - also Theorie satt!

 ScaleSub BlueBossa

 

„Comping, Soloing, Arranging und Composing“ brauchen Sound und Klangfarbe. Bedingung dafür ist neben dem tiefen Empfinden, auch ein sehr “liquides“ Wissen in Sachen Intervalle. Im „harmonischen“ Teil der Studie „Intervalle aktuell“ warten Voicings, Umkehrungen, Drop2, Drop3, Pluralities, Substitutionen und Parker/ Coltranecycle Quartencluster Inside/ Outside Sounds auf uns. Doch vorerst stürzen wir uns erst einmal auf das Soloing und dem dazu gehörigen visuellen Umfeld, um letztlich all die kleinen Strukturen auf dem Griffbrett „aufleuchten“ zu sehen und in den Ohren klingeln zu hören, wenn wir sie „live“ brauchen.

Es dauert, bis wir Gitarristen hören und nicht nur sehen. Daher ist es hilfreich, alles auch zur Gitarre zu singen. Langsam und geduldig, aber der Körper sollte schon sonor schwingen und nicht nur denken. Gesungen wirkt es echter, verbundener und auch realer. Monophone Strukturen helfen uns hierbei die Polyphonen zu verstehen und zu durchdringen.

                                                                                                                                                                                                                                                           

Visualisierung                                                                                                                                                                                                                                                                  Die Gitarre ist in ihrer „Verschachteltheit“ quasi ein akustisch/optisches Instrument. Es ist das alt bekannte und immer wieder erfahrbare Problem der großen Terz Beziehung zwischen der G und H Saite, die uns Gitarristen innerhalb einer sonst Quarten orientierten Stimmung, das Leben so schwer macht. Es bedarf einiger Bemühungen, bezüglich der Visualisierung von Intervallstrukturen auf den unterschiedlichen Saitengruppierungen, um über alle Saiten hinweg in drei Oktaven sicher aufzuspielen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig sich die Intervalle in kleinen „geometrischen Figuren“ vor Augen zu führen, um über die sechs Saiten der Gitarre Gehörtes auch wieder zu finden.   Man spricht hier gerne von „Intervallshapes“ (Anglismen lassen sich im weiteren Verlauf kaum vermeiden, da Jazz angloamerikanisch sozialisiert ist und somit weltweit seinen eigenen Slang pflegt).

Wir betrachten im weiteren Verlauf der Studien:

  • Kleine und große Sekunden
  • Kleine und große Terzen
  • Quarten
  • Übermäßige Quarten/ verminderte Quinten
  • Quinten
  • Verminderte Quinten (enharmonisch kleine Sexte)
  • Kleine und große Sexten
  • Septime
  • Major Sieben Beginnen wir mit der Visualisierung der Sekunden über den Saitengruppierungen 6/5, 5/4, 4/3, 3/2 und 2/1. Die kleine Sekunde ist eine Bewegung in Halbtonschritten, die große Sekunde eine in Ganztonschritten. 

                                                                                                                                                                                                                                                                                             

„Shapes“ für die kleine Sekunde: 

Skala nur aus Halbtönen                                                                                                                                                                                                                                                  Ein Fest der Halbtonschritte ist die Chromatische Tonleiter, sie besteht nur aus kleinen Sekunden und ist somit die am „dichtesten gepackte Skala“ in unserem System. Sie hat 12 anstatt 7 Töne und verläuft linear.

 

    

 

oder in „Enharmonisch verwechselter Form“: 

 

 

 „Shapes“ für die große Sekunde:

 

Skala nur aus Ganztönen                                                                                                                                                                                                                                                 Die große Sekunde bezeichnet man im „Musiksprech“ auch als Ganzton. Die Tonleiter, die nur aus Ganztönen besteht, nennt sich dem entsprechend Ganztonskala. In C wären das die Töne: C, D, E, F#,G#, Bb. Der Ganzton ist in dieser 6 Ton Skala die kleinste mögliche Bewegung. Die Guidetones: E, Bb, also Terz E und die Septime Bb (wegen der Darstellung der Ganztonabfolge hier A#) weisen darauf hin, dass wir es mit einem „Dominantseptakkord“ zu tun haben. Den Skalensound prägen neben den beiden Guidetones noch die None, #4 und #5. Eine Tonleiter mit filmreifen Sound offenbart hier seine Güte. Kann man mit Arbeiten, bisschen skurril, schafft aber was weg….…! Geeignet für Chords wie C7#5, C9#5 oder C7b5. Antidot von MG3 ist ein Beispiel für die Verwendung der Ganztonskala.

Check: http://massoudgodemann.de/massoud-godemann-blog-entry.php?id=22

 

 

Ja, steckt da denn irgendetwas an Melodie drin?                                                                                                                                                                                                           Man muss schon ein wenig "forschen", experimentieren und ausprobieren, damit was"rüberwächst".....                                                                                 

Übungen für die C - Ganztonskala:

 

C Wholetone Ideas

 

 

Die Chromatische Tonleiter und die Ganztonskala sind in ihrer „reinen“ Form also die Ausnahmen in unserem Tonsystem. „Gängige“ Skalen, wie die Modes aus den diatonischen und alteriert diatonischen Skalen, sind in Ihrem Verlauf vornehmlich in kleinen und großen Sekunden organisiert (Harmonic Minor hat sogar eine kleine Terz im Linearen Verlauf anzubieten, doch dazu später mehr). Das bedeutet, dass „normaler Weise“ Tonreihen mit Abfolgen in Halb und Ganztönen gebildet werden um einen gegebenen Sound horizontal und linear darzustellen. Um dieses „eng gepackte“ Modell der kleinstmöglichen Bewegungen zu erweitern und entstehenden Linien inmitten einer Improvisation mehr „Sound“ und Raum zu geben, bedarf es weiterer Intervallstrukturen, also größerer Bewegungen/ Abständen und den daraus resultierenden „Shapes/ Figuren/ Formen“.

Die „C7 Bebop Linien“ zeigen, dass ein „guter Mix“ aus engen und weiten Bewegungen kraftvolle Melodien kreieren kann. Gern genommen in diesem Zusammenhang sind neben den Sekunden, die Terzen. Auch hierbei gibt es wieder einen kleinen und einen großen Vertreter. Die kleine Terz bewegt sich in 3 Halbtonschritten (C – Eb), die große Terz in 4 Halbtonschritten (C – E), wenn man den Startton nicht mitzählt, oder anders betrachtet, in 2 Ganztonschritten nach oben oder unten. Um die ursprüngliche Bedeutung von „Tertius“, also der Drei als Ordinalzahl, visuell zu erfahren, baut man die Skalen auf und zählt an ihnen die Intervalle ab. Dabei sind die Halbtonschritte, die darüber entscheiden, ob wir es mit einer kleinen oder großen Terz zu tun haben, leider nur dem Connaisseur offensichtlich ersichtlich. Das Wissen um die Chromatische Tonleiter ist in diesem Zusammenhang sehr hilfreich. Aber die Idee der Verwendung der Zahl 3 ist in diesem „groben“ System nachvollziehbar.

 Terzen in C Dur (C D E F G A B C):

  • Große Terz von C zu E:  C D E
  • Kleine Terz von D zu F:  D E F
  • Kleine Terz von E zu G:  E F G
  • Große Terz von F zu A:  F G A
  • Große Terz von G zu B: G A B
  • Kleine Terz von A zu C:  A B C
  • Kleine Terz von B zu D:  B C D

 

Quarte, Quinte u.s.w. gerne im persönlichen Gespräch, via Video oder Print.....

 

Hier ein kleiner Eindruck weiter gefasster Bewegungen am Beispiel einer "Longline":

Bärbel

 

Check Didaktik Video:

Vol.1: https://www.youtube.com/watch?v=mJyDVyKM-08

Und hier muss es jetzt leider enden, denn bei Penny, Aldi und Lidl habe ich mit purem Talent ein sehr, sehr schlechtes Standing.

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Reza Massoud Godemann

Seit 40 Jahren steht er mit Bands unterschiedlichster Musikrichtungen auf der Bühne und ist aus eigener Erfahrung mit Hardrock, Blues, Pop, Latin und Jazz vertraut. Er studiert seit über 30 Jahren Jazzgitarre am "lebenden Subjekt" und ist immer auf der Suche nach Klang, Melodie und tiefer Empfindung - Die Presse bezeichnet ihn daher gerne als „Poet unter den Jazzgitarristen, als „natürlichen Instinktspieler“ oder aber als „Meister des Ausdruckes“.

Weil Musik aber auch ein stetes Entdecken ist, organisierte er bereits mit 15 Jahren sein erstes Gitarrenseminar und hat neben zahlreichen Gruppen, Bands und Ensembles bis heute etwa 300 Privatschüler erfolgreich betreut. Um Jazz-Studenten einen lebendigen Ansatz zu bieten, der zugleich motiviert und fundierte Kenntnisse vermittelt, entwickelte er seine eigene erweiterte Jazzdidaktik der "Grammatik des Jazz’", oder wie er es nennt: Wege in die Sprache des Jazz, einer modernen Jazzdidaktik Reihe mit Videos, Texten, Vorlesungen und Workshops.

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 „…Es scheint eine unlösbare Aufgabe zu sein, sich gegenüber den Giganten vergangener Tage wie Wes Montgomery oder Joe Pass zu behaupten. Und dann kommt ein Hamburger Gitarrist und spielt ganz locker und unaufgeregt gegen diese schier übermächtige Phalanx von Jazz – Ikonen an. Und es gelingt ihm tatsächlich, den Hörer gar nicht an diese Musiker zu erinnern, weil Massoud Godemann in den letzten 15 Jahren eine ganz klare, wiedererkennbare GITARRENSPRACHE entwickelt hat…“

(Peter Autschbach – Akustikgitarre 06.16)

 „…Nicht ganz schräg aber nie gefällig, nicht Avantgarde aber auch nicht Mainstream, oft straight ahead swingend, pulsierend, aber dann eben auch oft nicht und/oder anders als die anderen. Konventionell sind hier eigentlich nur der warme Gitarrenton und der singende Kontrabass. Die Eigenkompositionen sind vielschichtig und alles andere als berechenbar. Hier zeigt sich eine klassisch basierte Modernität…“ 

(Lothar Trampert – Gitarre & Bass 06.16)

Reflexionen  dieser Art hört und liest man oft, wenn es um Massoud Gode­mann geht. Bereits auf fünf Alben hat er seine Vision eines europäisch geprägten Jazz festgehalten. „Colors in Jazz“, „Togetherness“, „Fat Jazz“, „Open Letter“ und „Hope“. letzteres vom Jazzpodium zur „Jazzplatte des Monats“ gekürt und allerortens hochgelobt, zeigen einen Künstler, der stets das Neue sucht und das gerade Erreichte nur als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt betrachtet. Dementsprechend lässt er keinen Weg unbeschritten, der ihn weiterbringen könnte, begleitet die Dichtungen Garcia Lorcas mit der Gitarre, widmet sich der Schauspielerei, der Tanzperformance (https://youtu.be/2DZiNMjdTXQ), hält Vorträge über die Gemeinsamkeiten von Architektur und Musik, dozierte bei den Bayreuther Dialogen2016 über künstlerische Freiheit und liebt es genreübergreifend zu wirken.


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